2. Himmelsquartal - Volkssternwarte Langwedel

Northern Lights
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Das zweite Himmelsquartal 2026
Abendsichtbarkeit von Merkur/Maximum der Eta-Aquariden

Sternhimmel
Bei Einbruch der Dunkelheit finden wir hoch im Süden die Sterne Arkturus im Bootes, Spica in der Jungfrau und Regulus im Löwen. Sie bilden auch das sogenannte Frühlingsdreieck und rahmen das unscheinbare Sternbild Haar der Berenice ein. In diesem Bereich des Himmels finden wir eine riesige Anzahl von Galaxien, die wir schon mit kleineren Teleskopen beobachten können, da wir senkrecht aus der Milchstraßenebene hinausblicken können und somit kein Gas und Staub unseren Blick trübt. Die Milchstraße liegt nämlich nun „nicht störend“ knapp über dem nördlichen Horizont. Direkt im Zenit finden wir nun wieder den Großen Wagen im Sternbild Großer Bär. Nun beginnt wieder seine Fahrt in Richtung des Nordhorizonts. Die Wintersternbilder haben sich mittlerweile unter dem Westhorizont verabschiedet. Dafür können wir am Osthimmel bereits die ersten Sommersternbilder wie Leier und Herkules begrüßen. Knapp über dem Südhorizont schlängelt sich wieder die Wasserschlange auf deren Rücken sich die unscheinbaren Sternbilder Sextant, Becher und Rabe befinden. Am Westhimmel kann noch der offene Sternhaufen M 44 im Krebs mit einem Fernglas bewundert werden. Am tiefsten Punkt über dem Nordhorizont finden wir nun wieder das Werder-W – die Kassiopeia. Hoffentlich kein Omen für die kommende Saison der Mannschaft! Web-Stellarium
Eine kleine Orientierungshilfe am Sternhimmel und Erklärungen zu den auffälligsten Sternbilder findet man hier.
Der Mond - Geheimnisvoller Begleiter unserer Erde
Meteore
Vom 19. April bis 28. Mai sind dann wieder die Eta-Aquariden aktiv, die am 6. Mai ihr Maximum mit einer ZHR von 60 bis 70 Objekten im Sternbild Wassermann haben werden! Bei mondlosem Himmel haben sie eine Eintrittsgeschwindigkeit von 65 km/s und ziehen auffallend lange Leuchtspuren. Ihren Ursprung haben sie im berühmten Kometen 1P/Halley.
Zwischen dem 22. Juni und 2. Juli sind dann ein paar Juni-Bootiden zu sehen. Vielleicht sind sie aber auch überraschenderweise so aktiv wie 1916, 1998 oder 2004 als während des Maximums bis zu 100 Objekte pro Stunde zu sehen waren! Bisher fand das Maximum immer zwischen dem 23. und 28. Juni im nördlichen Bootes statt. Ihren Ursprung haben diese Sternschnuppen im Kometen 7P/Pons-Winnecke.

Planeten
Von Anfang bis Mitte Juni hat der innerste Planet Merkur eine kurze und bescheidene Abendsichtbarkeit. Seine Helligkeit entwickelt sich in dieser Zeit von anfangs -0m5 auf 0m4 am Ende seiner Sichtbarkeit. Am 9. Juni erreicht er mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,2“ seine Halbphase (Dichotomie). Bis zum 15. Juni wächst sein Durchmesser dann noch auf 8“. Seine Untergänge verschieben sich in dieser Zeit von anfangs 23.28 MESZ auf 23.33 MESZ am Ende seiner Sichtbarkeit. Gleichzeitig geht die Sonne in Bremen anfangs um 21.40 MESZ und Mitte Juni um 21.52 MESZ unter. Schwierig macht die Beobachtung in Norddeutschland die sehr spät einsetzende Dämmerung, die am 1. Juni mit der nautischen Dämmerung erst um 23.46 MESZ und am 15. Juni erst um 00.11 MESZ beginnt. Astronomische Dämmerung gibt es ja bekanntlich in dieser Zeit gar nicht.
Unser Nachbarplanet Venus baut bis Anfang Oktober ihre Zeit als „Abendstern“ auch im zweiten Himmelsquartal weiter aus. So steigert Venus ihre Helligkeit im zweiten Himmelsquartal von anfangs -3m9 bis Ende des Quartals auf -4m1. In der gleichen Zeit wächst ihr scheinbarer Durchmesser von 12“ auf 16“. Ihre beleuchtete Phase schrumpft allerdings bis zum 15. Juni auf 75%, was auch visuell bereits ab einer Vergrößerung von 100x gut sichtbar ist. Am 9. Juni ist eine hübsche Konstellation zu sehen, wenn Venus in einem Abstand von 1°38´ nördlich an Jupiter vorbeiziehen wird! Am besten zu sehen mit einem 10 x 50 Fernglas (siehe Abb.1).

Planetoiden
Drei Kleinplaneten erreichen im zweiten Himmelsquartal während ihrer Opposition mindestens eine Helligkeit von 10m5.
Zunächst erreicht (26) Proserpina am 5. April im Sternbild Jungfrau ihre Opposition. Sie wurde am 5. Mai 1853 vom deutschen Astronomen Karl Theodor Robert Luther an der Sternwarte Düsseldorf entdeckt und hat einen Durchmesser von 95 Kilometer. Sie wurde benannt nach Proserpina, der Tochter von Ceres und Jupiter, die von Pluto entführt wurde, um Königin der Unterwelt zu werden.
Am 20. April wird (13) Egeria ebenfalls in der Jungfrau in Opposition stehen. Sie wurde am 2. November 1850 vom italienischen Astronomen Annibale de Gasparis am Osservatorio Astronomico di Capodimonte in Neapel entdeckt und hat einen mittleren Durchmesser von 203 Kilometer. Benannt wurde sie nach Egeria, der Nymphe von Aricia in Italien, der Frau von Numa Pompilius, dem zweiten König von Rom.
(14) Irene wird schließlich am 15. Juni im Schlangenträger in Opposition stehen. Entdeckt wurde sie am 19. Mai 1851 vom englischen Astronomen John Russell Hind am George Bishop’s Observatory in London entdeckt und ist 152 Kilometer groß. Benannt wurde sie nach Eirene, eine der Horen, die Personifizierung des Friedens und Tochter von Zeus und Themis.
Alle wichtigen Daten zur Auffindung und Beobachtung der beschriebenen Kleinplaneten habe ich in Tabelle 1 zusammengefasst.
 
 Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten
Planetoid
Datum
RA
Dekl.
Mag.
Konst.
(13) Egeria


(14) Irene


(26) Proserpina
15.04.
20.04.
25.04.
10.06.
15.06.
20.06.
01.04.
05.04.
10.04.
14h04m
13h59m
13h53m
17h41m
17h36m
17h31m
13h06m
13h02m
12h58m
-04°49´
-04°54´
-05°00´
-22°25´
-22°44´
-23°02´
-03°37´
-03°20´
-03°00´

10m2
10m2
10m2
9m5
9m3
9m5
10m6
10m5
10m6
Vir


Oph


Vir
Mondlose Beobachtungszeit
Für unsere heutige Deep-Sky-Tour im Sternbild Löwe benötigen wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. In Tabelle 2 habe ich diese Zeiten wieder zusammengestellt.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit
5. bis 20. April
5. bis 20. Mai
5. bis 19. Juni
Deep-Sky-Objekte
Unser erstes Beobachtungsziel am heutigen Abend finden wir, wenn wir zunächst 8,5° vom Stern β-Leo in westliche Richtung bis zum Stern θ-Leo mindestens mit einem 10 x 50 Fernglas schwenken. Von hier geht es 2,1° südlich bis zum 5m3 Stern 73-Leo. Dann nur noch 44´ in südöstliche Richtung und wir sind bei der Galaxie M 65. Sie gehört zum berühmten „Leo Triplett“ und wurde am 1. März 1780 von Charles Messier entdeckt. Diese Sb-Galaxie (Balkenspirale) ist 32 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 90.000 Lichtjahren. Mit meinem 60mm Refraktor war sie bei einer Vergrößerung von 46x mit der Nachbargalaxie M 66 im gleichen Gesichtsfeld zu sehen und ihre ovale Form ebenfalls. Weitere 21´ südöstlich von M 65 kann M 66 gefunden werden. Sie wurde ebenfalls am 1. März 1780 von Charles Messier entdeckt. Auch diese Sb-Galaxie ist 32 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 95.000 Lichtjahren. Am 23. Februar 1989 konnte ich in ihr mit meinem Achtzöller die Supernova SN 1989 B in ihr beobachten. Nur 37´ nördlich von M 66 finden wir schließlich die sogenannte „Hamburger-Galaxie“ NGC 3628. Sie wurde am 8. April 1784 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Diese Sc-Galaxie ist 34 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 145.000 Lichtjahren. Mit meinem Achtzöller war sie bei einer Vergrößerung von 57xWw eine sehr schmale und lange Galaxie, die einen hellen Kern hat, aber im Ganzen etwas schwach ist. Mit einem 16-Zöller ist dann auch das dunkle Staubband mittig in der Galaxienscheibe zu zu erkennen, welches der Galaxie ihren Namen gab. Schon mit einem 10 x 50 Fernglas kann man an einem dunklen Beobachtungsort alle drei Galaxien M 65, M 66 und NGC 3628 erkennen, die zusammen dieser Galaxiengruppe den Namen „Leo Triplett“ gegeben haben.
Sozusagen im Genick des Löwen finden wir mit mindestens einem 6-Zöller genau auf der Hälfte der Verbindungslinie γ-Leo und ζ-Leo (3,7°) zunächst die dominierende Galaxie NGC 3190 der Galaxiengruppe Hickson 44. Sie wurde am 12. März 1784 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Diese Spiralgalaxie ist 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 75.000 Lichtjahren. Mit meinem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 80x zusammen mit der elliptischen Galaxie NGC 3193 in einem Gesichtsfeld zu sehen. Beide sind dann runde und lichtschwache Galaxien. Im 16-Zöller ist NGC 3190 bei V=230xWw eine helle und ovale Galaxie mit einem hellen Kern, die das hellste Mitglied der Vierergruppe Hickson 44 ist. NGC 3193 ist im 16-Zöller bei V=230xWw eine helle, runde und große Galaxie mit einem hellen Kern, die sich nur 6´ nordöstlich von NGC 3190 befindet. Am 12. März 1784 wurde die elliptische NGC 3193 von dem deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Sie ist 58 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 35.000 Lichtjahren. Nur 4,6´ nordwestlich von NGC 3190 finden wir bereits mit einem Achtzöller die Balkenspirale NGC 3187, die im Januar 1850 von George Johnstone Stoney entdeckt wurde. Sie ist 68 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 70.000 Lichtjahren. Mit meinem Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 80x eine extrem lichtschwache Galaxie mit einem ausgeprägten Kern, bei der aber keine Formbestimmung möglich ist. Besser ist sie im 16-Zöller bei V=302xWw zu sehen. Dann ist sie eine kleine, runde Galaxie mit einem schwachen Kern. Die Balkenspirale NGC 3185 finden wir 10,5´ südwestlich von NGC 3190. Sie wurde ebenfalls im Januar 1850 von George Johnstone Stoney entdeckt. Sie ist 52 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von 55.000 Lichtjahren. Im Achtzöller ist sie bei einer Vergrößerung von 83xWw eine kleine und relativ lichtschwache Galaxie, die eine ovale Form hat und bei dieser Vergrößerung mit NGC 3187, NGC 3190 und NGC 3193 in einem Gesichtsfeld zu sehen ist. Mit meinem 16-Zöller ist sie bei V=230xWw eine relativ kleine und runde Galaxie mit einem hellen Kern.


Ich wünsche allen Lesern wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte im Sternbild Löwe
Objekt
RA
Dekl.
Dimension
Mag.
Art
M 65
M 66
NGC 3185
NGC 3187
NGC 3190
NGC 3193
NGC 3628
11h20m
11h21m
10h19m
10h19m
10h20m
10h20m
11h22m
+12°57´
+12°51´
+21°33´
+21°44´
+21°42´
+21°46´
+13°27´
7,6 x 2´
10,3 x 4,6´
2,1 x 1,2´
2,2 x 0,7´
3,6 x 1,2´
2,4 x 2,2´
11 x 3,4´
9m2
8m9
12m1
13m3
10m9
11m0
9m1
G
G
G
G
G
G
G
Merke: Sämtliche Astroaufnahmen sind vom Verfasser. Die Aufsuchkarten sind mit Guide 9.1 und Sky Safari entstanden.
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Andreas Kaczmarek

Tel. 0152 / 55662836
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